Unser Kollege in Argentinien

Argentinien-Blog

Seit Ende Juli 2023 arbeitet der Autor dieses Blogs an der Goethe-Schule in Buenos Aires. Schweren Herzens hat er das Saarland verlassen, da das Fernweh größer war als die Liebe zum kleinen Bundesland im Westen der deutschen Republik.

In regelmäßigen Abständen, meist zu Beginn des Monats, finden sich hier persönliche Eindrücke der südamerikanischen Republik. Viel Spaß beim Lesen und vielen Dank den Verantwortlichen des Vereins, dass ich ihren Internetauftritt nutzen darf. Übrigens: Bei einem Blog ist der neuste Eintrag immer ganz oben.

Das Revival der Thermobox

Seitdem die Preise für das Schulessen in der Mensa quasi ins Absurde gestiegen sind, hat sich die Anzahl der mitgebrachten Thermoboxen potenziert. Die Schulmensa bietet viel Platz und, was noch wichtiger ist, zahlreiche Mikrowellengeräte zum Aufwärmen des (mitgebrachten) Essens. Die Warmhaltebox auf dem Foto ist hier der Standard und entsprechend zahlreich zu sehen.

Esel in Buenos Aires

Überaus zahlreich gibt es Lendenstücke des Esels auf den Straßen. Wer hier an Grillen und leckeres Fleisch denkt, liegt leider völlig falsch. Lomo de burro, Eselslende, so nennt man hier die verkehrsberuhigenden Hügel und Hindernisse auf der Straße. Dass burro als Begriff ähnlich wie im Deutschen eine weitere, nicht so nette Nebenbedeutung hat, kommt hier sicherlich auch zum Tragen.

Bald kommt der Winter...

Es ist nicht mehr lang bis zum Winteranfang. Der Mai war in Buenos Aires 2,5 Grad kälter als der langjährige Durchschnitt, es gab kurzzeitig eine „arktische Kälte“ von nachts bis zu vier Grad (plus). Was aus deutscher Sicht putzig wirkt, ist hier eine echte Herausforderung. Isolierung an den Häusern existiert quasi nicht, die Fenster ermöglichen auch im geschlossenen Zustand eine gute Lüftung. Auf der Arbeit lassen sich manche Schiebefenster sowieso nicht ganz schließen, der hiesige Standard ist einfach nicht für Kälte gedacht. Den Rest besorgt die Wirtschaftskrise. Firmen wurde an den Kältetagen der Gashahn ein wenig zugedreht, so dass private Verbraucher genügend Gas zur Verfügung hatten. Gasknappheit? Kennt man aus Deutschland. Allerdings kommt in Argentinien das Gas nicht von Putin, sondern aus den eigenen Provinzen.

Die meisten Bäume haben mittlerweile ihr Laub verloren. Umso mehr erfreuen die mit Orangen, Mandarinen und Zitronen übervollen Bäume am Straßenrand. Ein Kilo Madarinen bekommt man derzeit für ca. 50 Cent. Übrigens sinkt die Inflation weiter: Die Monatsinflation in Argentinien ist nun nur noch wenig höher als die Jahresinflation in Deutschland. Das sind gute Signale, allerdings haben viele Menschen ihre Beschäftigung verloren und die Armut steigt und steigt. Die Frage bleibt: Wie lange geben die Argentinier ihrem Präsidenten Milei noch Zeit, bevor der Geduldsfaden reißt und es zum Chaos kommt? Bei Gesprächen mit Einheimischen bewegt sich die Spanne meist zwischen ein paar Monaten und Jahresende. Ein Wunder bleibt: Die Restaurants sind am Wochenende meist grundsätzlich bis zum letzten Platz belegt.

Tiere auf dem Schulhof II

Ein üblicher Vogel in Buenos Aires ist der Carancho, ein recht großes Tier, das gerne auf dem Boden spaziert und durchaus majestätisch wirkt.

Nationalfeiertag 25. Mai

Was macht man in Argentinien am Nationalfeiertag, dem Tag der Mairevolution von 1810? Einkaufen, was sonst. Siehe die langen Schlangen im Bild. Warum war auch ich dabei? Ich musste Dinge besorgen, die das gemeinsame Schauen des deutschen Pokalendspiels angenehmer machen. Leider hat, wie wir alle wissen, wie erwartet Leverkusen gewonnen, aber der FCK hat sich mehr als gut verkauft.

Träume

Dieser Amarok eignet sich mit seiner großen Bodenfreiheit und seinem Allradantrieb hervorragend für die Straßen Argentiniens. Warum nur träumt er von der deutschen Autobahn?

Wohnen am Stadtrand

Obdachlosigkeit während des langen Sommers in Buenos Aires stellt zumindest klimatisch keine allzu großen Herausforderungen an die Ausrüstung. Die Menschen schlafen leicht bedeckt auf dem Boden. Mit dem Einzug des Herbsts und dem nahenden Winter ist Kreativität gefragt, um nicht zu erfrieren. Die Röhren auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind Schlafplätze unweit der Panamericana. Ironischerweise sieht man bei genauem Hinsehen unter der Plane den Aufdruck „El Verano“: der Sommer. Der kommende Winter, so die Meteorologen, soll einer der kältesten der vergangenen Jahre werden. Man spricht sogar davon, dass es zum ersten Mal seit Juli 2007 wieder etwas Schnee geben könnte. Von den Sparprogrammen der Regierung sind auch Suppenküchen und andere Hilfsorganisationen betroffen, was das Leben besonders des ärmsten Teils der Bevölkerung nicht einfacher macht. Übrigens: Vor 2007 hatte es 89 Jahre lang keinen Schnee mehr in der Hauptstadt gegeben.

Die Stechmückenplage geht weiter

Uns verfolgt in Argentinien das „noch nie“: Noch nie war die Inflation so hoch, noch nie habe es so viel geregnet, noch nie habe es so viele Mosquitos gegeben wie jetzt. Das alles hilft nicht wirklich weiter. Fakt ist, dass der Herbst begonnen hat, die Temperaturen tagsüber unter 20 Grad sind und nachts auch schon unter 10 Grad, den Stechmücken das wider Erwarten aber immer noch nichts auszumachen scheint. Die Preise für das „Antibrumm“-Spray haben sich zwar reduziert und es ist in der Regel erhältlich. Die Menschen sind es dennoch leid, immer noch gegen diese Insekten ankämpfen zu müssen.

Besonderheiten von Buenos Aires I

Am Anfang meiner Zeit in der Nähe der Hauptstadt Argentiniens erschrak ich jedes Mal, wenn eine Polizeistreife mit blitzenden Blaulichtern vorbeifuhr. Heute nehme ich dies, besonders in meinem Viertel, mit Gelassenheit und grüße die Uniformierten freundlich. Man muss den Blaulichtern im Straßenverkehr auch nicht ausweichen, denn es sind nur die allgegenwärtigen Streifenfahrten der Polizei oder der Kommune, um nach dem Rechten zu sehen und Präsenz zu zeigen.

10 - 200 - 500

Zahlen aus dem öffentlichen Leben in Argentinien: Die Stromrechnung hat sich für viele Haushalte innerhalb eines Jahres verzehnfacht. Die Preiserhöhungen für Gas, Wasser und Elektrizität beliefen sich von einem Monat zum nächsten auf zwischen 200 und 500 Prozent. Dazu hat sich in meiner Zeit (neun Monate) der Preis für einheimisches Rindfleisch, quasi dem Grundnahrungsmittel des Landes, vervierfacht.

 

"Ich streike nicht"

Der argentinische Präsident reagiert auf die Streikaktionen der Gewerkschaften, die Anfang Mai zumindest den Transport in Buenos Aires einen Tag lang lahmlegten, mit diesem Shirt, je nach Übersetzung „ich streike nicht“ oder „ich höre nicht auf“. Von Generalstreik (paro general) konnte weitherhin nicht die Rede sein, aber da der Großteil der Busfahrer, dazu die U-Bahn, Taxifahrer und die (noch) staatliche Fluglinie streikten, ging verkehrsmäßig in der Stadt recht wenig. Die Unterstützung des Präsidenten ist zwar aufgrund der Härte des Sparkurses geringer geworden, liegt jedoch immer noch vergleichsweise hoch. Die Regierung muss gleichwohl aufpassen, dass das Land nicht kaputtgespart wird. Es wird immer öfter auch in den Vororten gebettelt – selten wird nach Geld gefragt, die Leute freuen sich über Lebensmittel. Die Anzahl an Häusern, die zum Verkauf stehen, hat sich meinem Eindruck nach deutlich erhöht. Die gleiche Situation ergibt sich bei den Müllsammlern. Waren es vor 9 Monaten nur vereinzelt Menschen, die in den seltenen großen Müllbehältern nach Verwertbaren suchten, ist dies nun eher die Regel.

Das vermeintlich neue Shirt von Milei ist übrigens eine Montage. Das Originaltrikot (s.u.) mit der Rückennummer 10 ist ein Geschenk von FIFA-Chef Gianni Infantino.

An einem Samstag kurz vor Mitternacht

Argentinische Kinder sind es gewöhnt, dass das Abendessen nicht vor 22:00 Uhr auf den Tisch kommt – gerne später. Am Wochenende sind Kinder durchaus auch um Mitternacht beim Abendessen im Restaurant anzutreffen. Da trifft es sich gut, wenn man darüber hinaus noch an Kinder-Wettrennen teilnehmen kann, wie wir in der Provinz Mendoza erleben durften. Garantiert immer dabei: ein Messi.

 

Alles im Fluss

Immer wieder schön ist der Rio de la Plata, der eher wie ein Meer wirkt. Buenos Aires, die Stadt der guten Lüfte, macht hier ihrem Namen alle Ehre.

Unverständnis

Ein Land im Aufruhr: Wie viel Opferbereitschaft kann man von den Argentiniern noch erwarten, wie weit kann die Politik die Einsparungen und Kürzungen noch weitertreiben? Im Moment gehen die Menschen vor allem wegen der Kürzungen im Bildungsbereich zahlreich auf die Straßen. Die Preise sind inzwischen teilweise nur noch absurd: Im Supermarkt um die Ecke gibt es momentan (Anfang Mai 2024) das „Pan tipo artesano“ 500 Gramm – in Deutschland würde ich es einfach „dunkles Großbäckerei-Toastbrot“ nennen – mit 25 Prozent Rabatt im Sonderangebot für umgerechnet ca. 4 Euro. Ich kenne Argentinier, die bei voller Stelle weniger als 300 Euro pro Monat verdienen. Wie man seine Glaubwürdigkeit verspielen kann, zeigt derweil der argentinische Präsident. Viele im Land hungern, die Zahl der Obdachlosen explodiert – und für 300 Millionen US-Dollar kauft die Regierung 24 gebrauchte F16 Kampfjets aus Dänemark. Laut Zeitungsberichten beläuft sich der Gesamtdeal auf ca. 700 Millionen US-Dollar – Piloten müssen ausgebildet, die Flugzeuge bewaffnet werden. Man darf gespannt sein, wie lange noch das argentinische Volk die wirtschaftliche und politische Extremsituation friedlich erträgt.

 

Wie schafft man das?

Argentinien hat es geschafft, quasi rauchfrei zu sein, was ich bei einem lateinamerikanischen Land nicht erwartet hätte. Dies macht das Land für Nichtraucher sehr angenehm. Rauchverbotsschilder scheinen nicht notwendig. Mein Sportverein weist einzig in den allgemeinen Bestimmungen darauf hin, dass das gesamte Gelände Nichtraucherzone sei.

"Las Malvinas" oder die Falklandinseln

Am 02. April ist der jährliche nationale Gedenktag Día de las Malvinas. Die bei uns unter Falklandinseln bekannte Inselgruppe des Vereinigten Königreichs wird von Argentinien trotz des vor langer Zeit verlorenen Krieges weiterhin beansprucht, was dazu führt, dass auf offiziellen argentinischen Karten die Falklandinseln unter ihrem einheimischen Namen „Las Malvinas“ als Staatsgebiet von Argentinien eingetragen sind und überall im Land betont wird, dass die Inselgruppe doch zu Argentinen gehöre. Die Schulen stellen da keine Ausnahme dar. Auf zahlreichen Bussen in Buenos Aires findet man Sprüche wie „Las Islas Malvinas son Argentinas“ (dt. die Malvineninseln sind argentinisch). Es gibt natürlich auch ein Malvinen-Museum. Der neue Präsident Milei betont derweil die Ansprüche seines Landes auf die Falklandinseln / Malvinen, was kürzlich zu einem unangekündigten Besuch des britischen Außenministers David Cameron auf eben dieser Inselgruppe geführt hat.

Die Heimat des Tangos

Am Wochenende treffen sich in der Innenstadt Liebhaberinnen und Liebhaber dieser urtypischen argentinischen Angelegenheit, um miteinander Tango zu tanzen. Dann liegt ein Hauch von musikalischer Wehmut in der Luft, der einfach nur bezaubernd ist.

Mückenplagenkonsequenzen

Seit geraumer Zeit wird nicht nur die Stadt Buenos Aires von Heerscharen von Stechmücken heimgesucht. Es sei noch nie so schlimm gewesen, hört man allerortens. Problematisch ist allerdings, wenn die Antimückensprays nicht mehr lieferbar sind. Schlimm ist es, wenn die wenigen erhältlichen Sprays Preise erreichen, die sich kaum jemand leisten kann. Eine übliche Spraydose gegen Mücken kostet gerne 9-12 Euro. Leider ist der Monatsverdienst in diesem von Armut geplagten Land so gering, dass diese Preise astronomisch genannt werden müssen. Im Internet werden durchaus 40-50 Euro pro Spraydose verlangt. In den nächsten Tagen soll es wieder regnen und wärmer werden, was ideal für die lästigen Insekten ist. Dass die Dengue-Fälle ein Allzeithoch erreicht haben, wirkt auch nicht besonders ermutigend.

Die Mülltonne vor dem Haus

Müll wird bei uns quasi täglich abgefahren. Man verwendet sich auf einer Stange in ausreichender Höhe befindende, meist mit Deckel versehene Gitterkörbe, wohinein man den Müllbeutel steckt. Die Höhe ist wichtig als Schutz vor allerlei Getier. Auf dem Foto war jemand allerdings kreativ.

Mülltrennung wird nicht im Haushalt erledigt, sondern später, wenn die Armen der Stadt auf der Suche nach Wiederverwertbarem den Müll durchwühlen müssen. Im Moment scheinen Papier und Kartonagen besonders gefragt zu sein, was bei den exorbitanten Papierpreisen vor Ort nicht verwundert.

Schlangen in Argentinien

Schlangen gibt es durchaus viele, insbesondere in der Hauptstadt Buenos Aires. Man fühlt sich teilweise an das Vereinigte Königreich erinnert, wo sogar zwei Leute an einer Bushaltestelle sich sofort hintereinander hinstellen, um Traditionen zu pflegen. Dieses Exemplar fanden wir in der CABA, der Ciudad Autónoma de Buenos Aires, also der autonomen Stadt Buenos Aires (die von der Provinz Buenos Aires umgeben, aber eben nicht an eine Provinz gebunden ist). Das ist ein bisschen so wie Washington D.C. in den Vereinigten Staaten. Wie man an der Kleidung auf dem Bild ebenso erkennen kann, beginnt so langsam der Herbst. Eine Kaltluftfront aus dem Süden (Antarktis) sorgt im April für Höchsttemperaturen von nur noch 18-20 Grad. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass sich dadurch die immer noch nervende Stechmückenschar dezimiert.

Das Schuljahr hat begonnen

Anfang März waren nun auch für die Schülerinnen und Schüler die Sommerferien vorbei, nachdem sich das Lehr- und Verwaltungspersonal bereits drei Wochen lang auf das neue Schuljahr vorbereitet hatte. Der 127. Jahrgang der „Goethe“ freute sich traditionell in selbst designter Kleidung lautstark auf sein letztes Schuljahr.

Glaube versetzt Plastikberge

Entlang der Straßen Argentiniens findet man immer wieder Stellen, an denen für die Sicherheit auf der Straße ein religiöses Opfer gebracht wird. Meist sind es nur kleinere Orte voller gefüllter Wasserflaschen, an einer Hauptroute fanden wir gleichwohl diese beeindruckende Ansammlung.

Landstraßeneindrücke abseits der RN40

Als nach einem Unwetter die Schotterpiste auf über 100 Meter Länge überschwemmt war und wir pausieren mussten, schaffte die Natur einen schönen Ausgleich.

Bei dieser, unserer ersten Wasserdurchfahrt – irgendwann war das Wasser bis auf ca. 1/2 Meter Höhe abgelaufen – waren wir froh, dass die Polizei uns begleitete und zur Sicherheit hinter uns herfuhr. Seitdem wissen wir, wie wichtig der Begriff „Wattiefe“ bei einem Auto in Argentinien ist.

40

Unterwegs auf Argentiniens berühmter Ruta 40, schlappe 5.194 Kilometer lang, die Traumstraße, die das Land von Norden nach Süden entlang der Anden durchquert. Die RN40 ist wirklich spektakulär, auch wenn wir nur einen kleinen Teil davon gefahren sind. Wir hoffen, noch mehr davon sehen zu können. Auf dem Bild unten kann man die typische Hauptverkehrszeit erleben.

BKF12a - Postkartenersatz

Heutzutage eine Postkarte zu verschicken, gestaltet sich nicht ganz einfach. Deshalb an dieser Stelle viele Grüße auf diesem Wege an die letztjährige Klasse BKF11a mit Bildern gängiger Fahrzeuge vor Ort in Argentinien.

 

276,2

Laut nationaler Statistikbehörde lag die Jahresinflation im Februar 2024 bei 276,2 Prozent. Im letzten Jahr glich der „alternative“ Umtauschkurs, Dollar Blue genannt, durch einen viel besseren Wechselkurs die Preiserhöhungen für diejenigen weitgehend aus, die US Dollar oder Euro haben. Viele Argentinier gingen nach Erhalt der Rente oder des Gehalts zur Wechselstube, um Pesos krisensicher in US Dollar umzutauschen, und sei es nur bis zum Ende des Monats.

Durch die Abwertung des Pesos und die Tatsache, dass mittlerweile selbst Firmen wegen der traurigen wirtschaftlichen Lage auf ihre Dollarreserven zurückgreifen müssen und dadurch der Markt mit Greenbacks geflutet wird, ist dies nur noch in geringem Maße möglich. Die Preise steigen kontinuierlich und schnell, wenngleich die Maßnahmen der Regierung wohl erste Verbesserungen zeigen: Die Monatsinflation (!) sank auf 13,2 Prozent.

Das ausländische „Luxusprodukt“ Bonne Maman gibt es derzeit im Supermarkt nebenan für knapp 15 Euro das Glas Zentralbankkurs. Tauscht man inoffiziell, sind es „nur“ noch elf Euro siebzig. Der Preis für Benzin, im August noch bei umgerechnet 30 Eurocent pro Liter, ist mittlerweile bei ungefähr 90 Cent angekommen, was deutschen Augen sicherlich zu gefallen weiß. Setzt man die Einkommen der Argentinier dazu in Relation, ist der Preis schlichtweg exorbitant.

Gruppe 47

Wer sich als Schülerin oder Schüler in Deutschland über zu hohe Arbeitsbelastung beklagt, sollte sich eine Zahl merken: 47. Dies ist die Anzahl an Pflichtwochenstunden Unterricht, die die Klassen der Sekundaria (Klassen 7-12) an der Goethe-Schule in der Regel genießen dürfen. Schulbeginn ist um 07:45 Uhr und Schluss um 16:30 Uhr. Ausnahme ist der Mittwoch, an dem der Nachmittag für Hausaufgaben und Klausurvorbereitung genutzt werden darf.

Dulce de Leche

In Deutschland quasi unbekannt, hier allgegenwärtig: Es gibt unzählige Sorten dieser Karamellcreme. Selbst im Eissalon gibt es in der Regel mindestens fünf bis sechs verschiedene Dulce de Leche – Eiscremes.

Argentinien hat kein Geld

Die Situation für Normalbürger wird schlimmer, die Anzahl an Reste- und Müllsammlern oder Menschen, die an der Haustür ihre Dienste anbieten oder sogar nach Essen fragen, steigt gefühlt an. Aber natürlich, wie wohl überall auf der Welt, gibt es auch hier Menschen mit Geld. Im Tigre-Delta ist die schicke Motorbootdichte immens. Argentinien hat kein Geld, einige Argentinier durchaus.

Fußball

Die Begeisterung für Fußball ist hier allgegenwärtig. Kinder tragen selbstverständlich Trikots der Nationalmannschaft, Messi ist immer wieder präsent. Und wie ist das momentan in Deutschland angesichts der Fußball-EM im eigenen Land?

Tiere im Schulhof I: das Opossum

Irgendwie sehen sie ja ganz nett aus, aber wenn man nachts Reste von Essen im Garten hat, kommen sie vorbei und putzen alles weg, kriechen auf den Grill, lecken ihn ab und lassen garantiert nichts übrig. Das klappt auch mit Kadavern von Kleintieren, in unserem persönlichen Beispiel einer Taube.

Mückenplage

Knapp zwei Wochen lang wurden wir in Buenos Aires von einer Stechmückenplage heimgesucht. Sobald man das Haus verließ, griffen Dutzende Mosquitos an. Dagegen hilft ein wenig, den Garten besprühen zu lassen, wie es ein Bekannter tat. Ergebnis: Viele tote Mücken ergeben ein Festmahl für die Vögel.

Preiswahn

Erhältlich in Argentinien und hergestellt in Brasilien: das gute Nutella. Dessen Preis hat sich allerdings in den letzten Monaten fast verdreifacht. Noch ist es billiger als das Nutella in Peking, aber wie lange noch??

Nachtrag Ende Februar: Der Preis hat sich nun seit August 2023 quasi vervierfacht. Nachtrag Mai 2024: 350 Gramm Nutella kosten derzeit im Supermarkt um die Ecke ungefähr so viel wie sechseinhalb Liter Superbenzin.

Auf dem Bild sind auch gut die Warnhinweise zu sehen, die seit geraumer Zeit auf vielen Lebensmitteln zu finden sind.

Abifeier

Im Dezember fand die Abifeier an der Schule statt. Als Ehrengast nahm der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Herr Lamlé, an der schönen Veranstaltung teil. Die Goethe-Schule ist eine offizielle Deutsche Auslandsschule und besteht seit 1897. Früher wurde in den Schülerfamilien überwiegend Deutsch gesprochen. Dies hat sich jedoch im Lauf der Jahrzehnte verändert. Heute sprechen nur noch sehr wenige der Schülerinnen und Schüler zu Hause Deutsch. Meist sind es die Großeltern, die versuchen, die deutsche Sprache innerhalb der Familie zu erhalten.

Saarländischer Fußball in BsAs?

Auch in Buenos Aires träumt man vom Saarbrücker Fußball?

FCS wird hier wohl eher als Surffirma interpretiert – echt schade, Herr Pukallus!

Asado

Grillen (asado) in Argentinien ist ein wenig anders. Das Bild unten zeigt die übliche Portion für drei Personen. Dazu kommen noch eine Wurstschnecke, die wohl ausgerollt einen Meter lang ist, und die üblichen Beilagen Salat und Pommes. Kein Königreich für Vegetarier…

 

Berichterstattung in den deutschen Medien

Wer sich regelmäßig in den deutschen Medien informiert, muss mit Angst auf Argentinien schauen. „Hunderttausende folgen Aufruf zum Generalstreik“, so die Tagesschau online am 25.01.24. Im Verlauf des Artikels werden zudem die Zahlen der Gewerkschaften genannt. Bis zu 1, 5 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter hätten sich am Streik beteiligt, dies entspreche 10 Prozent der Erwerbstätigen. Also nochmal von vorn: Mehrere Hunderttausend laut Tagesschau. Nehmen wir 500.000 an. Laut Gewerkschaft wären dies also ungefähr 3,33 Prozent der Erwerbstätigen, die gestreikt haben.

Ein Generalstreik ist laut Wikipedia eine „Streikaktion der gesamten, wenigstens bedeutender Teile der Arbeiterschaft, bei Unterstützung durch weitere Teile der Bevölkerung“. In Buenos Aires, einer 15,6 Millionen Menschen Metropolregion, nahmen laut Polizei 80.000 Menschen an der zentralen Protestaktion teil. Man könnte auch sagen: 0,0051 Prozent der Menschen des Großraums.

Natürlich sehen viele Argentinier die Politik der neuen Regierung zurecht kritisch. Aber Milei, der neugewählte Präsident, tut genau das, wofür ihn die Menschen mehrheitlich gewählt haben: Reformen durchsetzen und insbesondere Subventionen abbauen, so dass Argentinien auf mittlere Sicht wieder ein erfolgreiches Land wird. Das unscheinbare Nachbarland Uruguay, mit der Fähre gerade mal 75 Minuten von Buenos Aires entfernt, hat eine Jahresinflation von 5,11 Prozent.

 

211 - unwillkommen Weltmeister

Der Papst ist Argentinier. Der Fußballweltmeister lautet Argentinien. Nun hat Argentinien einen weiteren Weltmeistertitel erhalten: den der höchsten Inflation. Laut La Nación erreichte das schöne Land im Südosten von Südamerika Ende 2023 eine Jahresinflation von 211 Prozent. Während die Deutschen unter ihrer Inflation von 5,9 Prozent (Quelle: destatis) ächzen und stöhnen, muss hier das Leben irgendwie weitergehen. Daueraufträge z.B. für den Sportverein ergeben keinen Sinn, da jeden Monat ein anderer, höherer Betrag gezahlt werden muss. Die neue Regierung sieht die aktuelle Monatsinflation von 25 Prozent als Erfolg an – alles unter 30 Prozent sei in Ordnung. Viele sehen gleichwohl die Ursachen nüchtern. Milei versucht ein Radikalprogramm zur Sanierung des Staatshaushalts durchzuführen. Wenn er damit Erfolg hat, ist der Präsident ein Held. Wenn nicht, hat man es wenigstens mal mit einem anderen politischen Besen probiert.

Restaurants und Cafés sind zumeist weiterhin recht gut gefüllt – Sparen ist bei dieser Inflation quasi sinnlos. Diejenigen, die Devisen in zumeist US-Dollar haben, können noch einigermaßen leben. Wie das der Rest der Bevölkerung macht, ist mir allerdings ein Rätsel.

Das obige Bild mit Milei gibt übrigens die Zahlen von August 2023, also noch vor der Wahl, wieder: Jahresinflation „nur“ 124,4 Prozent.

Deutsches in Buenos Aires

Argentinien ist ein Einwanderungsland. Da verwundert es kaum, wenn es deutsche Wurst zu kaufen gibt. Viele Argentinier an der „Goethe“, einer offiziellen deutschen Auslandsschule (der einzigen in Argentinien, an der man das deutsche Abitur ablegen kann), haben deutsche Wurzeln. Die deutsche Sprache wird allerdings in den ausgewanderten Familien, nach Generationen im einst fremden Argentinien, das längst zur neuen Heimat geworden ist, nicht mehr so gepflegt wie noch ein bis zwei Generation zuvor.

 

Beruf Gassigeher(in)

Nicht nur in der Innenstadt sieht man sie: die professionellen Gassigeher. Offiziell sind maximal zwölf Hunde pro Person erlaubt, aber 15 und mehr sind keine Seltenheit. Die Rucksäcke haben vor allem eine Bedeutung: Hier wird der aufgesammelte Hundekot zwischengelagert.

 

Alkohol und Wahlen

Die Supermärkte sind auch am Sonntag geöffnet. Interessant: An den Wochenenden der Präsidentschaftswahl ist der Alkoholverkauf von Samstagmittag bis Sonntagabend gesetzlich verboten.

 

El Ateneo

Sicherlich eine der schönsten Buchhandlungen der Welt: El Ateneo. Auf der ehemaligen Bühne gibt es zudem ein Café, das einfach nur zauberhaft ist.

 

Actos

Die Schulwoche beginnt grundsätzlich mit einem „acto“, d.h. einem kleinen Festakt zum Schulbeginn. Dazu gehört z.B. das Hissen der Flaggen.

 

Analoge Kommunikation

Eine mehrfach gesehene Ankündigung des Autoverkaufs funktioniert in Buenos Aires über einen Kanister auf der Motorhaube. Einfach und funktionabel.

 

NEW?

August 2023: Ganz so „NEW“ ist der Wagen dann doch nicht. In der Stadt fallen nicht nur am Straßenrand immer wieder verlotterte Wagen auf. Ein Laster im zarten Alter von 40 Jahren scheint gerade eingefahren zu sein und gut für die tägliche Langstrecke, Autos, die in Deutschland schon Oldtimer wären, sind hier gerne immer noch Alltagsfahrzeuge. Elektromobilität spielt keine Rolle.

Wahrzeichen von Buenos Aires I

Ankunft Ende Juli 2023 im argentinischen Winter, erste Eindrücke der Größe der Stadt: kleiner als Peking (wo wir vor ein paar Jahren gelebt haben), aber immer noch beeindruckend groß und schön. Den Obelisken, eines der Wahrzeichen der Stadt Buenos Aires, kennt man. Wir wollen natürlich in den nächsten Jahren auch die unbekannteren Ecken der Stadt kennenlernen, wobei wir selbst ca. 20 km nördlich in der Provinz Buenos Aires wohnen.

 

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